Veranstaltung „Digitalisierung und Industrie 4.0"

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13. Jul. 2017

Veranstaltung „Digitalisierung und Industrie 4.0"

Foto: panousi-fotografie

Veranstaltung „Digitalisierung und Industrie 4.0 – Machen Sie Ihr Unternehmen fit für die digitale Zukunft!

Am 10. Juli führte der KIO-Geschäftsführer Uwe Cujai anlässlich einer Veranstaltung zum Thema "Digitalisierung im Mittelstand" ein Interview mit Peter Barlog, Geschäftsführender Gesellschafter der BARLOG Plastics GmbH:

 

„Was bedeutet „Digitalisierung“ für Sie?"


 „Digitalisierung bedeutet zunächst mal ganz banal ein analoges Produkt zu einem digitalen zu machen. Zum Beispiel einen Brief einscannen. Das, worüber wir heute sprechen nenne ich eher die „digitale Transformation“, also den Übergang in eine Gesellschaft, die mehr und mehr digitale Produkte einsetzt und die sich dadurch auf weitreichende Veränderungen einstellen muss.

Das eingängigste Beispiel ist das autonome Fahren: durch Digitalisierung von Kartendaten, Berechnung von Routendaten und Kopplung mit umfangreicher Sensorik entsteht ein Gesamtsystem, dass weitreichende Folgen für unsere Gesellschaft haben kann. Werden bald alle Autos autonom fahren? Braucht dann überhaupt noch jeder ein eigenes Auto, dass er nur zu 10% des Tages nutzt, oder werden wir uns nur noch autonom fahrende Fahrzeuge mieten, um uns von A nach B zu bringen? Wenn wir dafür viel weniger Fahrzeuge viel intensiver nutzen, was machen dann die Menschen, die heute noch die vielen Autos bauen? Es ist also weniger die Digitalisierung, sondern die Frage nach der Gestaltung der damit einhergehenden Veränderungen, die uns umtreibt – sowohl für das eigene Unternehmen, als auch für die Kunststoffbranche und unsere ganze Gesellschaft."

 
"Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema?"

"Mit Digitalisierung beschäftigen wir uns im Prinzip schon seit unserer Firmengründung 1996. Die möglicherweise anstehenden größeren Veränderungen im Rahmen der digitalen Transformation sind bei uns seit etwa 4 Jahren ständig auf der Agenda."

 
"Ist das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0. schon in Ihrem unternehmerischen Alltag angekommen oder eher ein Projekt für die Zukunft?"

"Wir sind vor 21 Jahren mit dem Anspruch des papierlosen Büros gestartet (und natürlich damit gescheitert), wir prüfen schon seit Jahren unsere Kommunikationswege und Vertriebskanäle, Prozesse in Verwaltung und Fertigung werden Schritt für Schritt digitalisiert. Wir sagen immer scherzhaft, dass wir heute bei Industrie 3.5 angekommen sind, der große Sprung zur sogenannten Smart Factory mit weitreichenden Folgen für die Unternehmensorganisation ist allerdings noch Zukunftsmusik."

 
"Ist die Digitalisierung bei BARLOG Chefsache oder haben Sie eine Arbeitsgruppe oder Ähnliches eingerichtet? Gibt es sowas wie eine Digitalisierungsstrategie im Hause BARLOG?"

"Bei der BARLOG Gruppe ist die digitale Transformation definitiv auf der obersten Leitungsebene angesiedelt. Aus unserer Sicht ist das auch ein Muss, weil es nicht nur im inkrementelle Optimierung von Prozessen geht, sondern umfassende Auswirkungen bis hin zum Geschäftsmodell möglich sind. Und spätestens da ist die Unternehmensführung gefragt. Bei BARLOG haben wir eine Digitalisierungs-Roadmap erarbeitet, die den Weg für die nächsten 5 Jahre aufzeigt. Die Umsetzung erfolgt dann gemeinsam mit den Fachabteilungen."

 
"Wo sehen Sie in naher Zukunft die größten Auswirkungen in Ihrem Unternehmen- Eher in Richtung Vertrieb oder tatsächlich auch in der Produktion? Stichwort Mehr 3 D-Druck als „klassisches“ Spritzgießen."

"3D-Druck ist bei uns schon in der Gegenwart angekommen. Wir nutzen seit vielen Jahren das Lasersinterverfahren für die Prototypenfertigung und haben mittlerweile 5 3D-Drucker im Technikum, um die Produktentwicklung und Prototypenfertigung zu unterstützen. In echten Serienprozessen ist 3D-Druck aber noch nicht angekommen. Das ist eines der Felder, in denen wir Forschung & Entwicklung betreiben.
Für den Vertrieb sind digitale Prozesse ein sehr spannendes Entwicklungsfeld. Hier gilt es vor allem, seine Zielgruppen richtig zu kennen und auf dem passenden Vertriebskanal anzusprechen. Wir haben vor einiger Zeit damit begonnen, auch Social Media als Marketingtool einzusetzen. Wir konzentrieren uns dabei sehr auf die Business Plattformen Xing und LinkedIn. Wie bei anderen Vertriebstools darf man aber auch hier keine sofortigen Erfolgserlebnisse erwarten. Da heißt es ausprobieren, Erfolg messen und dann den Kurs korrigieren."

 
"Glauben Sie, dass Sie in Zukunft auch bei der Suche nach Fachkräften auf ganz neue Fähigkeiten setzen müssen? Also noch besser qualifiziertes Personal nötig ist?"

"Ich glaube nicht, dass man in diesem Zusammenhang von besser oder schlechter qualifiziert sprechen kann. Wir werden in Zukunft wahrscheinlich einfach andere Qualifikationen benötigen als heute. Die größte Herausforderung ist die anstehende Geschwindigkeit von Veränderungen und die daraus resultierende Forderung nach ständiger Weiterbildung für jeden Einzelnen von uns."

 
"Wenn Sie an Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter denken- Spüren Sie dort Zurückhaltung oder Ängste in der Belegschaft was das Thema angeht-Sprich werde ich in Zukunft überhaupt noch gebraucht wenn alles durch „Cyberintelligenz“ durchgeführt wird?"

"Da viele unserer Mitarbeiter auch die Vorträge auf unseren Technologietagen zum Thema Digitalisierung gehört haben, geht schon eine gewisse Angst vor tiefgreifenden, aber vor allem schwer vorstellbaren Veränderungen um. In unserem Unternehmen muss sich aktuell kein Mitarbeiter Sorgen um seinen Job machen, unser Wachstum fängt derzeit noch alle Automatisierungsmaßnahmen auf. Es wird allerdings schon in wenigen Jahren Verschiebungen in den Tätigkeiten geben und wir werden in nicht allzu ferner Zukunft sicher mit gleich viel Personal deutlich mehr Umsatz machen müssen."

 
"Sie sind sehr gut in den unterschiedlichsten Unternehmervereinigungen vernetzt. Hat das Thema Digitalisierung dort einen hohen Stellenwert, oder ist es nur eines unter vielen?"

"Das ist momentan schwer zu greifen. Einerseits ist es ein absolutes Hype-Thema, um das man auf kaum einer Veranstaltung drumherum kommt, so wie auch heute Abend hier. Andererseits ergeben Studien, dass der Umgang vieler Unternehmen mit der digitalen Transformation sehr passiv erfolgt und derzeit noch eine abwartende Haltung vorherrscht."

 
"Werden Sie die Digitalisierung mehr oder weniger alleine stemmen oder bedienen Sie sich externer Hilfe? Was wünschen Sie sich? Was können wir z.B. als Wirtschaftsförderung für Sie in diesem Bereich  tun?"

"Wir ziehen für die einzelnen Bereiche immer wieder Experten hinzu, weil wir selbst nicht das nötige Know-How haben oder es nicht aufbauen wollen. Wir stellen allerdings auch fest, dass z.B. viele kommerzielle Anbieter – egal ob Maschinen oder Software - noch gar nicht das Niveau erreichen, dass wir uns für die nächsten Jahre so vorstellen.
Von der Wirtschaftsförderung erwarten wir einerseits Beratungsangebote, sowohl genereller Art, als auch zu Förderungsmöglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen. Andererseits ist der direkte Draht zur Politik wichtig, damit dort die Bedürfnisse der Unternehmen gehört und in die politische Agenda aufgenommen werden. Um die digitale Transformation meistern zu können, müssen wir als Unternehmen, aber auch der Standort, seine politischen Vertreter und die Verwaltung deutlich schneller werden. Als einfaches Beispiel: der Ausbau der Infrastruktur in Form von Breitbandzugang für alle Unternehmen hinkt im aktuellen Tempo mindestens eine Technologiegeneration hinterher – das wird mit zunehmender Geschwindigkeit der Technologieentwicklung nicht besser. Und damit wir als Unternehmer schnell und effektiv auf Veränderungen reagieren können, werden politische Dauerbrenner wie Bürokratieabbau eine völlig neue Bedeutung bekommen."

 
"Herzlichen Dank!"

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